Verschuldensabhängiger Unterhalt

Wenn eine Ehe aus alleinigem oder überwiegendem Verschulden eines Teils der Ehepartnerschaft geschieden wird, muss dieser dem anderen Teil einen "angemessenen" Unterhalt leisten. 
Ausgegangen wird dabei vom Unterhaltsanspruch in aufrechter Ehe.

Der angemessene Unterhalt muss nur bezahlt werden, wenn die eigenen Einkünfte der unterhaltsberechtigten Partnerin oder des unterhaltsberechtigten Partners für die Lebenssicherung nicht ausreichen. Zudem hängt der Unterhaltsanspruch von der Leistungsfähigkeit der Person ab, die den Unterhalt zu zahlen verpflichtet ist. Unter Umständen kann diese Person von ihrer Unterhaltspflicht ganz befreit werden.
Anders als beim Unterhaltsanspruch in aufrechter Ehe muss der oder die geschiedene Unterhaltsberechtigte versuchen, den eigenen Unterhalt durch zumutbare Erwerbstätigkeit zu decken. Ob eine Arbeit zumutbar ist, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Solange ein Kind im Vorschulalter zu betreuen ist, gilt beispielsweise Erwerbstätigkeit als nicht oder nur in Teilzeit zumutbar.

Billigkeitsunterhalt

Sind beide Ehepartner gleichermaßen schuld am Scheitern der Ehe, bestehen keine gegenseitigen Unterhaltsansprüche. Ist ein Teil nicht in der Lage, sich selbst zu erhalten, kann der andere Teil zu bescheidenen Unterhaltszahlungen ("Unterhalt nach Billigkeit,-"), die nur die elementarsten Lebensbedürfnisse abdecken, verpflichtet werden, sofern ihm das aufgrund seiner Vermögens- oder Einkommensverhältnisse zumutbar ist. 

Die Höhe dieses Unterhalts nach Billigkeit beträgt in der Praxis etwa 15 Prozent des Netteinkommens. Allerdings muss derjenige, der Billigkeitsunterhalt bekommt, jede sich ihm/ihr bietende Arbeit annehmen, auch wenn diese unter seiner/ihrer Qualifikation liegt.

Unterhalt bei Scheidung wegen Zerrüttung der Ehe (nach § 55 und § 61 Abs 3 Ehegesetz)

Eine unterhaltsrechtliche Sonderstellung hat jene Ehefrau (es handelt sich so gut wie immer um Ehefrauen, nicht um Ehemänner; die Regelung gilt aber selbstverständlich auch umgekehrt), deren Ehe trotz Widerspruch nach mindestens dreijähriger Trennung aufgrund einer Klage des Ehemannes geschieden wird, sofern dessen Verschulden im Urteil ausgesprochen wird. Diese Frauen erhalten auch nach der Scheidung Unterhalt wie in aufrechter Ehe und haben unter Umständen die gleichen pensionsrechtlichen Ansprüche.

Voraussetzungen: