Unterhalt bei einvernehmlicher Scheidung

Etwa 90 Prozent der Scheidungen erfolgen in Österreich einvernehmlich. Eine der Voraussetzungen für eine einvernehmliche Scheidung ist die Einigung der Eheleute über alle Scheidungsfolgen, einschließlich ihrer unterhaltsrechtlichen Beziehungen. 

In diesem Zusammenhang ist Vorsicht geboten. Eine einvernehmliche Scheidung ist im Vergleich zur strittigen Scheidung zwar oft einfacher, schneller und billiger. Jedoch birgt sie auch die Gefahr, dass dem Inhalt des zu schließenden Scheidungsvergleichs unter Umständen nicht die nötige Aufmerksamkeit gewidmet wird. Oft wird die einvernehmliche Scheidung durch Unterhaltsverzicht oder die Zustimmung zu einem sehr geringen oder befristeten Unterhalt "erkauft". Dies erweist sich insbesondere für Frauen, die meist über ein niedrigeres Einkommen als Männer verfügen, problematisch. Zu beachten ist vor allem, dass sich eine im Zuge einer einvernehmlichen Scheidung getroffene Vereinbarung im Nachhinein nicht einseitig abändern lässt.

Die Höhe des Unterhalts ist bei der einvernehmlichen Scheidung von den Eheleuten einvernehmlich festzusetzen. Es gibt dazu keine gesetzliche Regelung oder Rechtsprechung. Als Orientierungshilfe können jedoch die vom Obersten Gerichtshof entwickelten Prozentsätze zur Unterhaltsbemessung bei strittiger Scheidung herangezogen werden (siehe Unterhalt bei Scheidung wegen Verschuldens).

Unterhaltszahlungen sind selten so hoch, dass sie tatsächlich ermöglichen, davon zu leben und einen eigenen Haushalt zu führen. Dennoch sollte nicht ohne weiteres auf Unterhaltszahlungen verzichtet werden. Ein Verzicht bedeutet auch, in allfälligen Notzeiten nicht abgesichert zu sein - und keinen Anspruch auf Witwen- beziehungsweise Witwerpension zu haben.

Eine neue Lebensgemeinschaft oder Wiederverheiratung wirkt sich auf den Unterhaltsanspruch nach Scheidung aus: Wenn eine Lebensgemeinschaft eingegangen wird, ruht der Anspruch auf Unterhalt und lebt erst wieder nach Beendigung der Lebensgemeinschaft auf. Mit einer Wiederverheiratung erlischt der Unterhaltsanspruch gegenüber der ehemaligen Ehepartnerin oder dem ehemaligen Ehepartner gänzlich.

In Unterhaltsangelegenheiten ist es jedenfalls ratsam, Beratungsstelllen aufzusuchen.