THEMA: Alleinerziehende in Wien – Ergebnisse des 2. Wiener Gleichstellungsmonitors; Finanzielle Unterstützung für Alleinerziehende – Akuthilfen; Beratung am Frauentelefon der Stadt Wien

  1. Alleinerziehende in Wien – Ergebnisse des 2. Wiener Gleichstellungsmonitors

Der Gleichstellungsmonitor ist eine Studie zur Gleichstellung von Frauen und Männern in Wien, die von der MA 57 – Frauenabteilung der Stadt Wien herausgegeben wird. Nach der ersten Ausgabe, die 2014 präsentiert wurde, ist im September 2017 der zweite Gleichstellungsmonitor mit aktuellen Daten erschienen. In zwölf Themenfeldern werden mittels 123 Indikatoren der aktuelle Stand der Gleichstellung dargestellt sowie die Entwicklungen seit 2013 sichtbar gemacht. Die wichtigsten Ergebnisse betreffend Alleinerziehende werden im Folgenden kurz zusammengefasst:

Überwiegend stark von Armut bedroht sind Frauen mit Kindern und insbesondere Alleinerzieherinnen: Zwei Fünftel der Familien mit drei und mehr Kindern und knapp ein Viertel der Familien mit zwei Kindern sind armutsgefährdet. Bei AlleinerzieherInnen, die zu 85 Prozent Frauen sind, beträgt die Armutsgefährdung sogar 34 Prozent.

Eine staatliche Unterstützungsmaßnahme stellt beispielsweise die Bedarfsorientierte Mindestsicherung (BMS) dar. Sie wird an sogenannte Bedarfsgemeinschaften – das umfasst Haushalte oder Familienzusammenhänge - ausbezahlt, d.h. der Anspruch ist abhängig vom Gesamteinkommen dieser Bedarfsgemeinschaft. 10% der WienerInnen leben in Bedarfsgemeinschaften, die eine Leistung der BMS beziehen; unter den Alleinerziehenden (fast nur Frauen) sind es sogar 18%.

Des Weiteren gehen 50% der Wohnbeihilfen an „Frauenhaushalte“ - 30% an alleinstehende Frauen und 20% an Alleinerzieherinnen. Der Frauenanteil der Wohnbeihilfebeziehenden liegt bei 60% (inklusive Paaren). Alleinerziehende wohnen eher in Mietverhältnissen, überdurchschnittlich häufig auch in kleineren Wohnräumen und Gemeindewohnungen. Vor allem Ein-Eltern-Haushalte sowie Haushalte mit mehreren Kindern sind von einer hohen Wohnkostenbelastung betroffen: Alleinerziehende beispielsweise wenden im Durchschnitt 27% ihres Einkommens für Miete auf.

Auf http://www.gleichstellungsmonitor.at/ kann der gesamte Gleichstellungsmonitor online eingesehen werden.

  1. Finanzielle Unterstützung für Alleinerziehende – Akuthilfen

AlleinerzieherInnen stehen in Notsituationen mehrere Möglichkeiten zur Verfügung um eine kurzfristige finanzielle oder materielle Unterstützung zu erhalten. In dieser Ausgabe des Newsletters möchten wir einen Überblick über diese Akuthilfen geben.

An sämtliche Leistungen sind bestimmte Voraussetzungen geknüpft (z.B. Staatsbürgerschaft, Wohnort oder Familieneinkommen). Daher ist es ratsam, sich auf den verlinkten Websites genauer zu informieren oder telefonisch Auskünfte einzuholen.

Anspruchsberechtigt sind AlleinerzieherInnen mit Kindern im zweiten und dritten Lebensjahr, deren Einkommen unter einer bestimmten Grenze liegt. Die Höhe des Wiener Familienzuschusses ist einkommensabhängig.

Der Antrag ist bei der Rechtsvertretung der MAG ELF (Amt für Jugend und Familie) einzubringen.

https://www.wien.gv.at/amtshelfer/gesellschaft-soziales/magelf/finanzielles/familienzuschuss.html

https://www.wien.gv.at/menschen/magelf/service/rechtsvertretung.html

Im Einzelfall und nach individueller Prüfung können Menschen in einer Notlage eine Förderung als Hilfe in besonderen Lebenslagen erhalten. Um eine finanzielle Hilfe kann beispielsweise in folgenden Fällen angesucht werden: Mietrückstände (zur Abwendung einer Delogierung), Instandsetzung der Wohnung und Installationen, Beschaffung einer Unterkunft oder Abdeckung der Kosten im Zusammenhang mit der Energieversorgung.

Für bereits geleistete Zahlungen kann keine finanzielle Unterstützung erfolgen.

Der Antrag ist beim Sozialzentrum des jeweiligen Wohnbezirkes einzubringen.

https://www.wien.gv.at/amtshelfer/gesundheit/gesundheitsrecht/sozialhilfe/sonderbedarf.html

https://www.wien.gv.at/gesundheit/leistungen/wiener-sozialzentren.html

Ein Ansuchen kann im Falle einer unverschuldeten finanziellen Notsituation, die durch ein besonderes Ereignis (z.B. Krankheit, Behinderung, Todesfall) ausgelöst wurde, gestellt werden. Zu den weiteren Voraussetzungen zählen die österreichische Staatsbürgerschaft, Bezug der Familienbeihilfe und dass alle anderen Möglichkeiten z.B. Unterhaltsanspruch, Sozialhilfe oder Wohnbeihilfe nicht ausreichen.

Das Ansuchen ist beim Bundesministerium für Familien und Jugend einzubringen.

https://www.bmfj.gv.at/familie/finanzielle-unterstuetzungen/familienhaerteausgleich/familienhaerteausgleich.html

Die individuelle Spontanhilfe bietet eine rasche und individuelle Beratung in akuten Notsituationen mit Fokus auf Hilfe zur Selbsthilfe. Eine einmalige finanzielle und materielle Überbrückungshilfe wird dann ausbezahlt, wenn staatliche Möglichkeiten bereits ausgeschöpft wurden und der Hauptwohnsitz der Betroffenen in Wien ist. Aus organisatorischen Gründen wird die Überbrückungshilfe nicht in bar ausbezahlt, sondern erfolgt in Form von Gutscheinen oder Überweisungen.

Die individuelle Spontanhilfe ist ein Angebot des Österreichischen Roten Kreuzes.

http://www.roteskreuz.at/pflege-betreuung/soziales/spontanhilfe/

Der Soforthilfefonds hilft Familien mit Kindern oder Jugendlichen, die unverschuldet in Not geraten sind und wenn die öffentlichen Stellen und Behörden nicht genug Unterstützung leisten können.

Das Ansuchen ist an Licht ins Dunkel zu stellen.

http://lichtinsdunkel.orf.at/?story=3748

Bei mehreren Sozialmärkten in Wien können Menschen mit niedrigem Einkommen Produkte des täglichen Bedarfs kostengünstiger kaufen als in gewöhnlichen Handelsgeschäften.

https://www.wien.gv.at/sozialinfo/content/de/10/SearchResults.do?keyword=Sozialm%C3%A4rkte

  1. Beratung am Frauentelefon der Stadt Wien

Das Beratungsangebot des Frauentelefons umfasst das Ehe- und Familienrecht, insbesondere rechtliche Erstberatung zu Trennung, Scheidung, Lebensgemeinschaft, Ehe, Eingetragene Partnerschaft, Unterhalt, Obsorge und Kontaktrecht. Die Beratung erfolgt vertraulich, auf Wunsch anonym, und ist kostenlos.

Für Alleinerziehende regelmäßig besonders wichtig sind Fragestellungen rund um rechtliche Ansprüche im Falle einer Trennung bzw. Scheidung oder wenn es um Kindesunterhalt oder Unterhaltsvorschuss geht. Zentral sind aber auch Informationen rund um steuerliche Begünstigungen, Sozialleistungen und Beihilfen.

Unter der Telefonnummer 01-408 70 66 können sich Frauen, die in Wien leben oder arbeiten vom Team des Frauentelefons der Stadt Wien beraten lassen. Persönliche Termine können nach telefonischer Vereinbarung vergeben werden. Beratung ist auch per E-Mail unter frauentelefon@wien.at möglich.

Beratungszeiten: Montag, Dienstag, Mittwoch zwischen 8 Uhr und 12 Uhr sowie Donnerstag und Freitag zwischen 12 Uhr und 16 Uhr.

https://www.wien.gv.at/menschen/frauen/beratung/frauentelefon/index.html