Kontaktrecht

Nach einer Trennung oder Scheidung haben das minderjährige Kind und der Elternteil, der mit diesem Kind nicht zusammenlebt, ein Kontaktrecht. Dieses soll beiden die Möglichkeit geben, die wechselseitige familiäre Bindung aufrecht zu erhalten beziehungsweise zu vertiefen. Das Kontaktrecht kann neben persönlichem Kontakt auch telefonisch, brieflich oder per e-mail ausgeübt werden. 

Auch Großeltern steht grundsätzlich ein Recht auf persönlichen Kontakt mit dem Enkelkind zu. Das gilt allerdings nur, wenn dadurch das Familienleben nicht gestört wird.

Regelung des Kontaktrechts

Das zeitliche Ausmaß des Kontaktrechts kann von beiden Elternteilen einvernehmlich geregelt werden.  Ist eine Einigung nicht möglich, kann jeder Elternteil beim zuständigen Bezirksgericht einen Antrag auf gerichtliche Regelung des Kontaktrechts stellen. Bei einer einvernehmlichen Scheidung ist es erforderlich, dass sich die Eltern über das Kontaktrecht einig werden; diese Einigung wird Bestandteil des Scheidungsvergleichs.  

Ausmaß des Kontaktrechts

Im Hinblick auf das Ausmaß der persönlichen Kontakte gibt es keine gesetzliche Regelung, vielmehr sollen die Eltern und das Kind dieses so gestalten, wie es ihren individuellen Lebensgewohnheiten und Bedürfnissen entspricht. Dabei ist stets das Kindeswohl der leitende Grundsatz.

Der Oberste Gerichtshof definiert als "übliches Kontaktrecht" einen persönlichen Kontakt von insgesamt etwa 80 Tagen/Jahr. Das entspricht etwa jedem zweiten Wochenende mit Übernachtung sowie vier Wochen in den Ferien. Aus kinderpsycholgischer Sicht können bei sehr kleinen Kindern häufigere, dafür jedoch kürzere Kontakte sinnvoll sein.

Zu beachten ist, dass eine Überschreitung des "üblichen Kontaktrechts" dazu führen kann, dass sich der Kindesunterhaltsanspruch verringert. Bei gleichteiliger Betreuung durch beide Eltern ("Doppelresidenz") kann das so weit gehen, dass kein Elternteil dem anderen Geldunterhalt für das Kind zahlen muss. Weitere Informationen zum Thema Kindesunterhalt bei Doppelresidenz finden Sie in unserem Newsletter "Alleinerziehen in Wien" (Februar 2018).

Besuchsbegleitung

Es kann zwischen den Elternteilen vereinbart oder vom Gericht festgelegt werden, dass die Kontakttermine zur Gänze oder teilweise (zB. die Übergaben) von einer Person begleitet werden („Besuchsbegleitung“). BesuchsbegleiterIn kann eine Person aus dem Umfeld der Elternteile sein. Steht eine solche nicht zur Verfügung, kann man sich an Organisationen wenden, die gegen Entgelt Besuchsbegleitungen anbieten.

Weitere Informationen zur Besuchsbegleitung finden Sie hier (Bundeskanzleramt - Frauen, Familien & Jugend)

Hilfe bei Problemen

Manchmal ist es für ehemalige Partnerinnen und Partner aufgrund bestehender Konflikte nicht möglich, sachlich miteinander zu reden und entsprechende Abmachungen betreffend das Kontaktrecht zu treffen. In diesem Fall kann es helfen, neutrale Gesprächspartnerinnen und Gesprächspartner beiziehen, um zu einer lebbaren Lösung zu kommen. Eine Möglichkeit ist hier die Mediation. Auch die Kinder- und Jugendhilfe Wien (MAG ELF) bietet Hilfestellung bei Problemen in Zusammenhang mit Kontaktrechtsregelungen.

Navigation