Höhe des Unterhalts

Die Höhe der Unterhaltszahlung ist abhängig vom Alter und von den Bedürfnissen des Kindes sowie von der finanziellen Leistungsfähigkeit der oder des Unterhaltspflichtigen.

Bemessung des Unterhalts

Die Bemessungsgrundlage für den monatlichen Unterhalt ist ein Zwölftel des Jahres-Nettoeinkommens der zu Unterhaltszahlungen verpflichteten Person.

Prozentsätze

Die Unterhaltsfestsetzung orientiert sich an Prozentsätzen vom Nettoeinkommen, die nach dem Alter des Kindes gestaffelt sind:

Von diesen Prozentsätzen gibt es für jedes weitere unterhaltsberechtigte Kind (egal ob aus der gleichen Ehe, aus einer anderen Ehe oder unehelich geboren) Abzüge:

Besteht überdies Unterhaltspflicht für eine Ehepartnerin oder einen Ehepartner, reduziert sich der Prozentsatz zusätzlich um 1 bis 3 Prozent.

Eigene Einkünfte

Eigene Einkünfte des Kindes mindern den Unterhaltsanspruch. Jedoch gelten das Kinderbetreuungsgeld, der Zuschuss zum Kinderbetreuungsgeld sowie Schüler- und Studienbeihilfen nicht als Einkünfte des Kindes und haben daher keinen Einfluss auf die Höhe des Unterhaltsanspruchs.

Ausmaß der Betreuung und Auswirkung auf die Unterhaltshöhe

Nach der Rechtsprechung des Obersten Gerichtshofs gelten die oben genannten Prozentsätze als Richtwerte für die Unterhaltsbemessung, wenn sich das Kontaktrecht der unterhaltspflichtigen Person im „üblichen Ausmaß“ bewegt. Als "üblich" gilt ein Kontaktrecht von insgesamt 80 Tagen im Jahr, dies entspricht in etwa jedem zweiten Wochenende mit Übernachtung plus ein Ferienkontaktrecht von insgesamt vier Wochen.

Wird dieses Ausmaß überschritten, kann dies zu einer Minderung des Unterhaltsanspruchs führen. So sind bei einem zusätzlichen Betreuungstag pro Woche 10% vom errechneten Betrag abzuziehen. Wenn beide Elternteile das Kind zu gleichen Teilen betreuen („Doppelresidenz“), kann das sogar dazu führen, dass kein Elternteil dem anderen Geldunterhalt für das Kind zahlen muss. Dies gilt jedoch nur dann, wenn beide Elternteile auch in etwa gleich verdienen und gleichwertige Naturalleistungen für das Kind (etwa für Bekleidung, Schuhe, etc.) erbringen. Weitere Informationen zum Thema Unterhalt bei Doppelresidenz können Sie in unserem Newsletter „alleinerziehen in Wien“ (Februar 2018) nachlesen.

Regelbedarf

Maßgeblich für die Festsetzung der Höhe des Unterhalts sind nach der Rechtssprechung in erster Linie die oben angeführten Prozentsätze. Zusätzlich ziehen Gerichte als Korrektiv aber auch die sogenannten Regel- oder Durchschnittsbedarfsätze heran. Das Zwei- bis Zweieinhalbfache des Regelbedarfsatzes gilt als Obergrenze ("Luxusgrenze") für Unterhaltszahlungen. Das soll verhindern, dass Kinder von Personen, die ein sehr hohes Einkommen haben, "überalimentiert" werden.

Die Höhe der Regelbedarfsätze ist nach dem Alter des Kindes gestaffelt und wird jährlich am 1. Juli angepasst. Die aktuellen Sätze finden Sie hier (Österreichische Arbeitsgemeinschaft für Jugendwohlfahrt).

Sonderbedarf

Sonderbedarf steht in Ausnahmefällen zusätzlich zum regulären Unterhaltsanspruch zu. Als Sonderbedarf werden Aufwendungen bezeichnet, die über den Durchschnittsbedarf hinausgehen und zur Deckung der gerechtfertigten Bedürfnisse des Kindes notwendig sind. Der Anspruch auf Sonderbedarf setzt voraus, dass die Ausgaben durch den laufenden Unterhalt nicht gedeckt werden können. 

Die Rechtsprechung zeigt sich bei der Anerkennung von Sonderbedarf in den letzten Jahren eher restriktiv.

Bei der Beurteilung, ob ein Aufwand einen Sonderbedarf darstellt, kommt es immer auf die individuellen Umstände des Einzelfalls an.

Beratung

Beratung zur Höhe des Kindesunterhalts erhalten Sie bei der Wiener Kinder- und Jugendhilfe (MAG 11) (Rechtsvertretung).