Erbrecht

Das Erbrecht kennt zwei Möglichkeiten zu erben: durch gesetzliche Erbfolge oder durch testamentarische Erbfolge. Grundsätzlich hat jede Person das Recht, ihr Vermögen oder Teile davon zu vererben, an wen auch immer sie will. Dieses Recht ist jedoch dadurch beschränkt, dass nächste Angehörige (nicht jedoch Lebensgefährtinnen und Lebensgefährten oder Geschiedene) in jedem Fall einen Pflichtteilsanspruch haben.

Im Erbrecht sind eheliche und uneheliche Kinder gleichgestellt. Unehelich geborene Kinder haben jedoch nur dann einen Erbanspruch gegenüber dem Vater, wenn die Vaterschaft freiwillig anerkannt oder gerichtlich festgestellt wurde. Es ist auch möglich, die Vaterschaft nach dem Ableben des Vaters (insbesondere durch DNS-Gutachten) festzustellen.

Gesetzliche Erbfolge

Hat die oder der Verstorbene kein Testament hinterlassen oder nur über einen Teil des Vermögens testamentarisch verfügt, tritt die gesetzliche Erbfolge in Kraft. Für Kinder bedeutet das, dass sie

Unter mehreren Kindern wird der ihnen zustehende Nachlass zu gleichen Teilen aufgeteilt.

Das Vorhandensein eines Lebensgefährten oder einer Lebensgefährtin ändert am gesetzlichen Erbrecht des Kindes nichts, da diese Personen – unter bestimmten weiteren Voraussetzungen - nur dann erben, wenn entweder keine gesetzlichen Erbinnen oder Erben vorhanden sind (subsidiäres Erbrecht) oder wenn sie die verstorbene Pension in den letzten drei Jahren vor ihrem Tod mindestens sechs Monate unentgeltlich gepflegt haben (Pflegevermächtnis).

Anspruch auf den Pflichtteil

Wenn die oder der Verstorbene ein Testament hinterlassen hat, in dem die Kinder nicht oder nicht genügend berücksichtigt wurden, dann steht diesen trotzdem ein Pflichtteil zu. Der Pflichtteil beträgt die Hälfte des gesetzlichen Erbteils.

Wenn jedoch zwischen einem Elternteil und seinem Kind nie ein oder zumindest über einen längeren Zeitraum vor dem Tod des Elternteils kein familiäres Naheverhältnis bestanden hat, kann jener in einem Testament anordnen, dass der Pflichtteil des Kindes auf die Hälfte (also ein Viertel des gesetzlichen Erbteils) reduziert wird. Das betrifft in der Praxis vor allem unehelich geborene Kinder, die bei der Mutter leben und keinen Kontakt zum Vater hatten. Eine Kürzung des Pflichtteils ist jedoch nicht zulässig, wenn der Vater den Kontakt mit dem Kind grundlos abgebrochen hat oder wenn sein Verhalten berechtigter Wiese dazu geführt hat, dass kein Kontakt bestanden hat.

Nähere Informationen

Die Rechtsanwaltskammer Wien bietet eine so genannte "Erste Anwaltliche Auskunft" an. Die Website der Rechtsanwaltskammer enthält auch eine Suchfunktion nach Anwältinnen und Anwälten, nach deren jeweiligen Spezialgebieten.

Die Website der Notariatskammer bietet rechtliche Kurzinnformationen und Tipps zum Thema Erbrecht an. Eine Suchfunktion unterstützt bei der Suche nach Notarinnen und Notaren; die erste Auskunft ist kostenlos.