Bedürfnisse von Erwachsenen

Erwachsene haben ebenso wie Kinder das Bedürfnis nach Geborgenheit und Sicherheit, Zuwendung, sozialer Anerkennung und Entwicklung. Auch Erwachsene fühlen sich nur wohl, wenn diese Bedürfnisse einigermaßen befriedigt werden. 

Nehmen Sie Ihre eigenen Bedürfnisse genauso ernst wie die Ihrer Kinder. Stellen Sie Ihre eigenen Interessen nicht immer zurück. Sich selbst schlecht zu behandeln, erzeugt Frust und macht auf Dauer krank. Es ist nicht sinnvoll wegen der Kinder ständig auf alles zu verzichten. Beispielsweise darauf, sich einmal auszuschlafen, ins Kino zu gehen, Freundinnen und Freunde zu treffen, sich weiterzubilden oder einen Job zu suchen, der besser bezahlt ist. 

Kindern tut es gut, eine Mutter beziehungsweise einen Vater zu haben, die oder der sich wohl fühlt.
Das Wohlfühlen macht sich bemerkbar, wenn man sich selbst etwas gönnt, Freude am Leben hat, interessiert ist und Fähigkeiten nicht verkümmern lässt.

Beispiel

In der Praxis muss man immer wieder Kompromisse schließen zwischen den eigenen Bedürfnissen und jenen der Kinder. 

Ein Beispiel dafür: Die Ärztin Christiane Northrup schreibt in ihrem Buch "Frauenkörper Frauenweisheit", dass sie sich, als ihre Kinder klein waren, ein Zimmerfahrrad gekauft und zu Hause vorm Fernseher aufgestellt hat, um nicht weggehen zu müssen und doch Sport betreiben zu können. Dreimal die Woche trainierte sie 20 Minuten lang. Anfangs hielten die Kinder es fast nicht aus, dass die Mutter ihnen nicht ihre ganze Aufmerksamkeit widmete und für sie während dieser Zeit nicht verfügbar war. Immer genau dann, wenn die Mutter radelte, wollten sie ständig etwas zu Trinken oder Essen oder die Schuhbänder neu gebunden haben. Erst als sie ihren Kindern klar machte, dass es ihr wichtig war, Sport zu betreiben, und sie danach auch mit ihnen spielen würde, hatten die Kinder Verständnis und malten oder beschäftigten sich auf andere Weise allein, respektierten jedenfalls das Bedürfnis ihrer Mutter. "Wenn ich mir über meine Bedürfnisse im Klaren war, ohne deswegen ein schlechtes Gewissen zu haben, hatten sie selbst als kleine Kinder eine Weile Verständnis."